Ein kurzer Aussetzer, dann ein kräftiger Schlag, als würde das Herz kurz stolpern und dann „nachholen" – und sofort ist die Sorge da: Ist mit meinem Herzen etwas nicht in Ordnung? Die beruhigende Nachricht vorweg: Herzstolpern kennt fast jeder Mensch, und in den allermeisten Fällen stecken harmlose Extraschläge dahinter. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Sie das Stolpern abklären lassen sollten. Hier erfahren Sie, wie Sie den Unterschied erkennen.
Das Wichtigste in Kürze
- Herzstolpern entsteht meist durch Extrasystolen – zusätzliche Herzschläge außerhalb des normalen Rhythmus.
- Extrasystolen sind extrem häufig und bei herzgesunden Menschen in aller Regel harmlos.
- Typische Verstärker: Stress, Schlafmangel, Koffein, Alkohol, Nikotin – und auch eine überaktive Schilddrüse.
- Abklären lassen sollten Sie das Stolpern bei Häufung, bei Begleitsymptomen oder bei bekannter Herzerkrankung.
- Der erste diagnostische Schritt ist einfach: Gespräch, körperliche Untersuchung und ein Ruhe-EKG.
Was passiert beim Herzstolpern?
Der Herzschlag wird normalerweise vom Sinusknoten getaktet, dem natürlichen Schrittmacher. Ab und zu feuert jedoch eine andere Stelle im Herzen einen Impuls dazwischen – es entsteht ein vorgezogener Extraschlag, die Extrasystole. Weil danach eine kleine Pause folgt und sich das Herz stärker füllt, fühlt sich der nächste Schlag besonders wuchtig an. Genau diese Abfolge – Aussetzer, Pause, „Bums" – nehmen wir als Stolpern wahr.
Interessant dabei: Extrasystolen treten auch bei völlig gesunden Herzen ständig auf – die meisten bemerken wir gar nicht. Ob und wie stark man sie spürt, hängt stark von Anspannung und Aufmerksamkeit ab. In ruhigen Momenten, etwa abends im Bett, fallen sie am meisten auf – nicht, weil das Herz dann kranker wäre, sondern weil die Ablenkung fehlt.
Häufige Auslöser und Verstärker
- Stress und Schlafmangel: ein aktiviertes Nervensystem macht das Herz „reizbarer" – Stolperphasen häufen sich in belastenden Lebensphasen.
- Koffein, Alkohol und Nikotin: klassische Trigger; besonders Alkohol am Abend kann nächtliches Stolpern und Herzrasen fördern.
- Schilddrüsenüberfunktion: zu viele Schilddrüsenhormone treiben das Herz an – ein Blick auf den TSH-Wert gehört daher zur Abklärung.
- Mineralstoffhaushalt: Verschiebungen von Kalium und Magnesium, etwa nach Magen-Darm-Infekten oder unter Entwässerungsmitteln, begünstigen Extraschläge.
- Infekte und Fieber: auch banale Infekte können das Herz vorübergehend aus dem Takt bringen.
Beruhigend zu wissen: Bei strukturell gesundem Herzen gelten auch häufigere Extrasystolen in aller Regel als gutartig. Die entscheidende Frage der Abklärung lautet deshalb nicht „Habe ich Extraschläge?" – die hat fast jeder –, sondern: „Ist mein Herz gesund?"
Meist ist Herzstolpern harmlos. Rufen Sie aber sofort Hilfe, wenn das Stolpern von folgenden Beschwerden begleitet wird:
- Brustschmerzen oder Engegefühl, ggf. mit Ausstrahlung in Arm, Rücken oder Kiefer
- Akute Atemnot oder Kaltschweißigkeit
- Schwindel mit drohender Ohnmacht oder tatsächlicher Bewusstlosigkeit
- Anhaltendes, sehr schnelles und unregelmäßiges Herzrasen
Das können Zeichen eines Notfalls sein:
Notruf 112 wählen