Es drückt, brennt oder krampft oberhalb des Bauchnabels – und sofort beginnt das Rätselraten: Magen? Galle? Oder doch etwas anderes? Tatsächlich ist der Oberbauch eine Art Landkarte: Die Lage des Schmerzes verrät oft schon, welches Organ sich meldet. Hier lernen Sie diese Landkarte lesen – und erfahren, welche Beschwerden Geduld vertragen und welche sofort in ärztliche Hände gehören.
Das Wichtigste in Kürze
- Mittige Oberbauchschmerzen sprechen meist für Magen und Speiseröhre – von Gastritis bis Reflux.
- Rechts sitzt die Leber-Galle-Region: Kolikartige Schmerzen nach fettem Essen deuten auf Gallensteine.
- Links melden sich seltener Magen, Bauchspeicheldrüse oder Milz.
- Auch Herz und Lunge können in den Oberbauch ausstrahlen – besonders bei Frauen und Diabetes.
- Vernichtungsschmerz, Fieber mit Gelbfärbung oder Blut im Erbrochenen sind Notfälle.
Mittig: die Magenstraße
Schmerzen zwischen den Rippenbögen sind das Revier von Magen und Zwölffingerdarm. Brennen und Nüchternschmerz sprechen für eine gereizte Schleimhaut oder ein Geschwür, Druck und Völlegefühl nach dem Essen für Gastritis oder Reizmagen, aufsteigendes Brennen für Reflux. Häufige Begleiter: Schmerzmittel (NSAR), Stress, Alkohol – und das Magenbakterium Helicobacter pylori.
Rechts: Leber und Galle
Wellenförmige, heftige Schmerzen im rechten Oberbauch, die in Schulter oder Rücken ausstrahlen und gerne nach fettreichem Essen auftreten, sind das klassische Bild der Gallenkolik. Ein dauerhafter dumpfer Druck kann von einer vergrößerten Leber stammen – die Leber selbst schmerzt kaum, ihre Kapsel schon. Kommen Fieber, Schüttelfrost oder eine Gelbfärbung von Haut und Augen dazu, wird es dringlich.
Links und gürtelförmig: die selteneren Kandidaten
Linksseitige Oberbauchschmerzen können vom Magen ausgehen; gürtelförmige, in den Rücken ziehende Dauerschmerzen mit Übelkeit sind das Warnbild der Bauchspeicheldrüsenentzündung – typischerweise nach reichlich Alkohol oder bei Gallensteinen. Und nicht zuletzt: Der Herzinfarkt kann sich als „Magendrücken" tarnen, besonders bei Frauen, älteren Menschen und Diabetes.
Die meisten Oberbauchschmerzen sind harmlos. Sofort den Notruf wählen sollten Sie bei:
- Plötzlichem Vernichtungsschmerz mit hartem Bauch
- Oberbauchschmerz mit Engegefühl in der Brust, Atemnot oder Kaltschweiß
- Erbrechen von Blut oder schwarzem Stuhl
- Kolikschmerz mit hohem Fieber, Schüttelfrost oder Gelbfärbung
Diese Konstellationen dulden keinen Aufschub:
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