Drückt es wie ein zu enges Band um den Kopf – oder pocht es einseitig, während Ihnen übel ist und das Licht wehtut? Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz: Über 200 Arten sind beschrieben, doch zwei davon machen den Löwenanteil aus. Sie zu unterscheiden lohnt sich, denn Spannungskopfschmerz und Migräne brauchen unterschiedliche Behandlungen – und wer dauerhaft zur falschen Tablette greift, kann sich damit sogar einen zusätzlichen Kopfschmerz antrainieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Spannungskopfschmerz: beidseitig, dumpf-drückend, leicht bis mittelstark – Alltag meist möglich, Bewegung stört nicht.
- Migräne: attackenartig, oft einseitig pulsierend, mit Übelkeit und Licht-/Lärmempfindlichkeit – Bewegung verstärkt den Schmerz.
- Clusterkopfschmerz: seltener, aber unverwechselbar – heftigster einseitiger Schmerz um das Auge mit Tränen und Unruhe.
- Schmerzmittel an mehr als 10 Tagen pro Monat können selbst Dauerkopfschmerz erzeugen.
- Donnerschlagkopfschmerz und Kopfschmerz mit neurologischen Ausfällen sind Notfälle.
Der Spannungskopfschmerz: häufig und lästig
Der häufigste Kopfschmerz überhaupt fühlt sich an wie ein zu enger Hut oder ein Band um den Kopf: beidseitig, dumpf und drückend, leicht bis mittelstark. Übelkeit fehlt, Alltagsaktivitäten sind meist möglich – frische Luft und Bewegung tun eher gut. Auslöser sind typischerweise Stress, Nackenverspannungen, Schlafmangel und Bildschirmarbeit. Gelegentliche Episoden sind harmlos; treten sie an mehr als 15 Tagen pro Monat auf, spricht man von chronischem Spannungskopfschmerz – dann gehört ein Behandlungskonzept her, das mehr umfasst als Tabletten.
Die Migräne: mehr als „schlimme Kopfschmerzen"
Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung mit attackenartigem Verlauf: Der Schmerz ist häufig einseitig, pulsierend-pochend, mittel bis stark – und wird durch körperliche Aktivität verstärkt. Typische Begleiter sind Übelkeit bis zum Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit; viele Betroffene müssen sich ins abgedunkelte Zimmer zurückziehen. Bei etwa jedem fünften Betroffenen geht eine Aura voraus: Flimmersehen, Zickzacklinien oder Kribbelgefühle, die sich über Minuten ausbreiten und wieder zurückbilden. Unbehandelt dauert eine Attacke vier Stunden bis drei Tage.
Weitere wichtige Formen
- Clusterkopfschmerz: heftigster, bohrender Schmerz strikt einseitig um Auge und Schläfe, 15 Minuten bis 3 Stunden, oft nachts und in Serien („Clustern") – mit tränendem Auge, hängendem Lid und ausgeprägter Unruhe. Selten, aber stark unterdiagnostiziert und gut behandelbar.
- Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz: entsteht schleichend, wenn Akutschmerzmittel oder Triptane an mehr als 10 Tagen pro Monat eingenommen werden – der Dauerkopfschmerz aus der Hausapotheke.
- Kopfschmerz durch Verspannung und Kiefer: Nacken- und Kaumuskulatur strahlen gerne in den Kopf aus – ein Grund, warum Haltung und Zähneknirschen zur Anamnese gehören.
Die allermeisten Kopfschmerzen sind gutartig. Sofort den Notruf wählen sollten Sie bei:
- Schlagartig einsetzendem Vernichtungskopfschmerz („Donnerschlag") – binnen Sekunden maximal stark
- Kopfschmerz mit Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, Verwirrtheit oder Krampfanfall
- Kopfschmerz mit hohem Fieber und Nackensteifigkeit
- Erstmals heftigstem Kopfschmerz nach einem Sturz oder Unfall
Diese Konstellationen sind Notfälle:
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